Algen: Tausendsassa mit enormem Potenzial und schlechtem Ruf 1/2

Algen: Tausendsassa mit enormem Potenzial und schlechtem Ruf 1/2

6. August 2019

Nein, einen guten Ruf haben sie nicht gerade. Kein Wunder. Denn mancherorts entwickeln sie sich auf unserem Planeten durch ihr mitunter massenhaftes Auftreten zu einer wahren Plage. Sie schaden der unmittelbaren Umwelt, sind gar gefährlich und bringen weitreichende Folgen wie Sauerstoffarmut für andere Lebewesen in Gewässern („tote Zonen“) oder Tourismusrückgang mit sich. Für die Wissenschaft sind sie dagegen ein äußerst spannendes Forschungsfeld. Und in unternehmerischer Hinsicht gelten sie gar als Rohstoff der Zukunft. Genau, es sind Algen, die diese auf den ersten Blick teils konträren Potenziale in sich vereinen. In dem folgenden ersten Teil des zweiteiligen Blog-Artikels rund um die Alge geht es unter anderem um die vielfältigen Möglichkeiten, die sie für die Bereiche Medizin, Pharmazeutik, Kosmetik und Lebensmittel in sich birgt.

Sehr anpassungsfähig

Die (Sammel-)Bezeichnung Alge leitet sich aus dem Lateinischen Begriff „alga“, was so viel heißt wie „Seegras“, ab. Dieser umfasst viele verschiedene im Wasser lebende Lebewesen, die Photosynthese betreiben. Zu finden sind Algen zumeist in lichtdurchdrungenen Bereichen des Meeres und in allen Lebensräumen des Süßwassers.  Insgesamt sind unter dem Algen-Begriff viele verschiedenen Arten von Organismen zu finden. So gibt es unter den ein- und mehrzelligen Pflanzen nicht nur Blaualgen (eigentlich Cynobakterien), Pflanzen auf den Gewässerböden, Mikro- oder Makroalgen (Tang), sondern auch angepasste Algen, die außerhalb des Wassers beheimatet sind.

Älteste pflanzliche Organismen auf der Erde

So zum Beispiel Luftalgen an Baumstämmen oder auf Felsen, Bodenalgen in oder auf Böden oder Schneealgen. Teils betreiben Algen Photosynthese, beziehen jedoch einen Teil ihrer Biomasse aus dem Verzehr von Bakterioplankton. Zudem gehen Algen auch Symbiosen ein, zum Beispiel mit Pilzen. Insgesamt gehören Algen zu den ältesten pflanzlichen Organismen der Erde. Cyanobakterien und Algen waren vor rund 3,5 Milliarden Jahren die ersten Sauerstoff produzierenden Organismen der Erde. Ihnen wird das Verdienst zugeschrieben, die giftige Uratmosphäre durch Photosynthese in eine sauerstoffreiche verwandelt zu haben. Die Entfaltung tierischen Lebens auf dem Planeten wurde erst durch sie möglich.

Algen als Gefahr

Insgesamt ist die Anzahl der verschiedenen Algenarten, die heutzutage weltweit existieren, unbekannt. Die Schätzungen reichen von rund 30 000 bis zu mehr als einer Millionen Arten. Und unter gewissen Umständen können die Pflanzen für Mensch, Tier und andere Pflanzen sogar gefährlich werden. Denn manche Algen produzieren ein Nervengift, das Säugetiere und Vögel töten kann. Andere entziehen durch ihre schiere Masse und den Zersetzungsprozess den Gewässern Sauerstoff, den andere Lebewesen benötigen.

Gleichwohl sehen sowohl Wissenschaft als auch Industrie in den Algen ein riesiges Potenzial. Und zwar in vielerlei Hinsicht. Vor diesem Hintergrund ist es kaum überraschend, dass Algen und ihre Inhaltsstoffe für vielfältige Zwecke genutzt werden können. Dabei erfolgt die Gewinnung aus Anlagen, in denen Algen gezüchtet werden, aber auch direkt aus den Meeren.

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Algen als Lebensmittel und Kosmetika

Derzeit werden etwa 160 Arten industriell verarbeitet und genutzt. Bis zu zehn Millionen Tonnen Algen werden Jahr für Jahr aus den Ozeanen gefischt – meist aus Aquakulturen in asiatischen Gewässern. Algen werden mittlerweile in der Kosmetik, Medizin, Pharmazie und Lebensmittelindustrie eingesetzt. Nachdem diese Erkenntnis im asiatischen Raum längst bekannt ist und genutzt wird, beginnen auch im Westen verstärkt Vermarktung und Nutzung. In diesem Zusammenhang könnte die Algenproduktion mittel- bis langfristig ein wichtiger Industriezweig werden.

In Asien werden jährlich 9 Millionen Tonnen Algen verzehrt

So gibt es auch hierzulande mittlerweile die eine oder andere Algenfarm. So zum Beispiel auf Sylt, von wo aus die Pflanzen unmittelbar an Restaurants verkauft werden. Rotalgen sind deutschlandweit allerdings bislang eher durch Sushi bekannt. Während in Asien jährlich bereits rund 9 Millionen Tonnen an Algen verehrt werden, findet man richtige Algenspezialitäten hierzulande bislang nur in Asia-Shops oder Sushi-Bars. Dabei werden Algen auch längst für Brot, Joghurt, Wein oder Kräcker genutzt. In Frankreich wird eine Grünalgenart zum Kochen verwendet. Kein Wunder, ist sie doch nahrhaft und enthält viel Magnesium, Calcium und die Vitamine A, B12 und C.

Medizin- und Pharmaindustrie noch in der Grundlagenforschung

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Neben der Vielzahl an Nährstoffen wie Vitaminen und Mineralien besitzen Algen auch ein großes Spektrum an pharmazeutischen Wirkstoffen und Grundstoffen. Doch zum größten Teil stecken Medizin- und Pharmaindustrie hier noch in der Grundlagenforschung. Der Markteinsatz als Arzneimittel ist folgerichtig noch nicht abzusehen, aber als Zusatz in Nahrungsmitteln und als Nahrungsergänzungsmittel werden Algenextrakte dagegen bereits länger eingesetzt.

Passend dazu kommen mittlerweile global rund 50 Algenarten für kosmetische Anwendungen zum Einsatz. Die natürlichen Wirkstoffe der Algen, deren Mineralien und Nährstoffkomplexe, sollen beispielsweise ein vielversprechendes Mittel gegen Hautalterungen und Stresserscheinungen sein. Der hohe Jodgehalt wirke gegen Cellulite und rege den Stoffwechsel an, Mineralsalze würden entschlacken, Zink und Vitamine die Haut straffen, ist immer häufiger zu lesen.

Auch die Pigmente in den Algen können genutzt werden und könnten künftig eine umweltfreundlichere Alternative für Tinte sein, da sie biologisch besser abbaubar sind. Weitere Optionen in der Verarbeitung von Algen bieten sich in Form des Produktes Cellulose oder Gelier- und Verdickungsmittel.

Lesen Sie im zweiten Teil dieses Blog-Artikels, warum sich Algen sowohl in der Forschung als auch in der Industrie immer größere Beliebtheit erfreuen.


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