Digitale Transformation: Kann es nur einen geben?

Digitale Transformation: Kann es nur einen geben?

von 30. Januar 2019

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen Mitte der Achtzigerjahre im Madison Square Garden und entspannen sich bei einer Sportveranstaltung. Das Event nähert sich dem Höhepunkt, und das Publikum, welches ein Querschnitt der Gesellschaft, ist aus dem Häuschen. Die Menge fiebert dem Showdown entgegen, als plötzlich zwei in sich gekehrte athletische Herren aufstehen und die Arena der Begeisterung verlassen. Diese Situation kommt Ihnen so obskur vor, dass Sie alles um sich herum vergessen und den beiden Gestalten folgen, bis Sie sich in der Tiefgarage wiederfinden. Sie trauen Ihren Augen nicht. Die beiden geheimnisvollen Kerle holen Schwerter der Marke Zweihänder aus ihren Trenchcoats hervor und dreschen aufeinander ein, dass nur so die Funken fliegen. Jeder möchte den anderen schlagen, denn es kann nur einen Sieger geben.

Diskussionen wiederholen sich

Eine Szene, wie aus dem Mittelalter, die der Hollywoodstreifen „Highlander“ von Russel Mulcahy erzählt. Und ähnlich seltsam kommt mir immer wieder die Diskussion über die digitale Transformation in der Prozessindustrie vor. Obwohl diese vor einer signifikanten Veränderung steht, gibt es auch noch die Auffassung, mit altbewährten Methoden den Wandel in Technologie, Prozessen und Geschäftsmethoden zu vollziehen. Einzelne verteidigen die jeweiligen historisch gewachsenen Bereiche und Lösungen. Doch die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten ist eine hoch-interdisziplinärere Aufgabe, und sie betrifft alle Unternehmensbereiche (zum weiterführenden Text).

Nachdem wir die Anfangsszene von „Highlander“ noch einmal gemeinsam durchlebt haben, möchte ich Ihnen nun von einem jungen, motivierten Facharbeiter, nennen wir ihn Daniel, erzählen. Daniel erledigt pflichtbewusst seine täglichen Arbeiten in einem deutschen Chemiepark. Als digital Native groß geworden, sind moderne Informationsmedien wie Internet, Social Media und der Gebrauch von Mobilgeräten in seinen privaten Alltag völlig integriert. Fragen werden in einem Blog schnell geklärt, ein erweitertes Datenvolumen für das  Smartphone wird online per Fingertipp nachbestellt, der öffentliche Nahverkehr, der Fahrplan und die Tickets, werden über die App des Verkehrsverbundes genutzt und Verabredungen werden ausschließlich über Whatsapp terminiert.

„Das muss doch einfacher gehen“

Und eben dieser Daniel soll eine Messstelle kalibrieren. Auf dem Weg zu dem Einbauort des Messgerätes bemerkt er, dass er das Protokoll, mit dem er den Vorgang dokumentieren soll, in der Werkstatt vergessen hat. Also: Noch einmal zurück und diesmal wird alles – von Dokumentation und Protokoll bis hin zu Werkzeugen – eingepackt. Während der Kalibrierung benötigt er Informationen, von dieser als auch von anderen Messstellen bzw. die über Stellgröße der entsprechenden Ventile. Die Informationen fragt er über Funksprechgerät in der Leitwarte an. Ausgerechnet jetzt und hier befindet sich neben seinem Einsatzort ein großer elektrischer Antrieb, sodass er den Anlagenfahrer in der Warte kaum hören kann. Natürlich wird auch seine Anfrage vom Kollegen kaum verstanden. Daniel entfernt sich ein paar Schritte von der Geräuschquelle und versucht es erneut. Die prompte Antwort passt nicht zu seinen Erwartungen. Nach zwei Rückfragen stellt sich heraus, dass der Kollege eine andere Messstelle im System angeklickt hat. Nach einigem Hin und Her kann Daniel – sichtlich genervt – seine Kalibrierarbeiten fertigstellen. Auf dem Weg zurück in die Werkstatt denkt Daniel: „Das muss doch einfacher gehen. Im Alltag rufe ich ja auch nicht die Deutsche Bahn an, um nachzuhören, wann der nächste Zug kommt.“

Entsprechend motiviert malt sich Daniel in der Mittagspause auf, wie er alle Informationen zur jeder Zeit an jedem Ort in der Anlage auf einem Mobilgerät zur Verfügung hat (zum weiterführenden Text). „Bevor ich es jemandem zeige, schlafe ich noch einmal eine Nacht drüber“. Am nächsten Morgen fällt Daniel das Aufstehen so leicht wie schon lange nicht mehr. Er ergänzt sein Konzept um zwei kleine Details und zeigt es gleich in der Frühbesprechung seinem Vorgesetzten.

Mehrere Entscheidungsträger = Komplikationen?

Der Chef runzelt die Stirn, nachdem er sich einige Zeit Daniels Zeichnung angeschaut hat. Natürlich hat Daniel dazu auch so viel wie möglich erklärt. „Ich ahne, was Du vorhast, ohne dass ich jedoch die Details verstehe“, sagt sein Chef, als Daniel eine Pause einlegt. „Ob wir diese Idee umsetzen, kann ich allerdings nicht alleine entscheiden. Aber lass mich einen Termin finden, bei dem wir dies mit Kollegen aus der PLT, Infrastruktur, IT und dem Einkauf besprechen. Vorsichtshalber nehmen wir die Kollegen aus der PAT, den PLT-Lieferanten und den Hauptinstrumentierer auch mit hinzu.“
Es dauert rund sieben Wochen, bis ein erster gemeinsamer Termin gefunden wird.

Nun gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie diese Geschichte weitergeht. Der Lieferant könnte beispielsweise sagen: „Wir können alles

umsetzen, wir benötigen aber detaillierte Vorgaben von Ihnen.“ Der Meinungsbildner könnte erwidern: „Die Informationen sind doch alle längst da, ihr nutzt Sie nur nicht“. Nur weiß leider keiner, wie man besagte Informationen im Alltag aus den Systemen herausbekommt,  oder die IT schiebt dem Ganzen einen Riegel vor: „Keine Daten verlassen die Automatisierungspyramide.“
Oder gibt es doch eine gemeinsame und agile Vorgehensweise, die Daniels Konzept Wirklichkeit werden lässt?

Wird Daniels Idee umgesetzt oder wird diese ausgebremst, da zu viele  Gewerke unterschiedlicher Natur an einem Tisch sitzen und sich einig

werden müssen? Wie ist Ihre Meinung hierzu? Welche Erfahrung haben Sie gemacht?

Nichts ist unmöglich, wenn man Kulturen, Branchen und Unternehmen zusammenbringt – und sich um Konvergenz wischen Betriebs- und Informationstechnologie bemüht. Es kann eben nicht nur einen geben. Erst zusammen gestalten und schaffen wir Digitalisierung. Hier geht es zu einem weiterführenden Artikel zum Thema


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