Eine Branche ändert sich

Eine Branche ändert sich

von 16. Mai 2018

Synaptic Business Automation – Value Creation Cycle

Alles hat einen Lebenszyklus. So zum Beispiel die Jahreszeiten in der Natur, in einer Unternehmung ein Produkt, in der Wirtschaft eine Branche, Berufsbilder im Berufsleben oder mein Haus im Immobilienmarkt. Habe ich es einmal als Traumhaus gekauft, muss ich es immer wieder modernisieren.

Nur wer oder was sich immer wieder neu erfindet, wird erfolgreich sein. Dieser Umstand ist sehr oft von vielen und nicht vorhersehbaren Umgebungsvariablen abhängig. Und mit genau dieser Erkenntnis bin ich vor einigen Jahren von meinem Marketing-Studium hoch motiviert zurück an meinen Schreibtisch gekommen. Seitdem begegne ich immer wieder Beispielen aus Vergangenheit und Gegenwart, die mir aufzeigen, dass sich jeder damit beschäftigen sollte. Mit steigender Innovationskraft wird dieser Umstand noch beschleunigt.

Vom Pferd zum Automobil

Die Welt verändert sich und es werden sich immer wieder neue Trends, Technologien und Geschäftsmodelle durchsetzen. Lassen Sie uns dies anhand der Mobilitätsbedürfnisse und des dazugehörigen Verhaltens der Menschen in den zurückliegenden rund 100 Jahren spiegeln. Es handelt sich in dieser Hinsicht um einen Markt, der sich immer wieder neu erfunden hat. Um einen, der sich noch heute permanent verändert und auch gerade für die Zukunft neue Technologien und Modelle aufstellt.

So galten das Pferd und die Kutschen lange als das Mobilitätskonzept schlechthin. Diese Ansicht änderte sich Anfang des 20. Jahrhunderts sehr schnell, obwohl die damaligen Innovationszyklen noch deutlich langsamer waren als heute. “Die Zukunft gehört dem Pferd” – das erklärte Kaiser Wilhelm noch Anfang des 20. Jahrhunderts. Gerade einmal 15 Jahre später gab es so gut wie keinen Pferdeverkehr mehr in deutschen Großstädten.

Der Durchbruch neuer Technologien und Produkte ist stets durch die Wirtschaftlichkeit und den Nutzen getrieben. Henry Ford hat durch die Fließbandarbeit das Auto für jedermann ermöglicht.  Obwohl es noch keine Infrastruktur wie Straßen, Tankstellen und Raffinerien gab, war der Durchbruch des Autos nicht aufzuhalten. Der Nutzen war hoch und die Anschaffungskosten rutschten durch die Innovation in der Fertigung in einen Bereich, der dafür sorgte, dass sich der Mittelstand ein Auto leisten konnte. Der Erfolg brachte auch immer neue Herausforderungen. So wurden immer wieder neue Fertigungskonzepte (Just in Time / Just in Sequenz), aber neben dem Kauf des Autos auch immer neue Geschäftsmodelle wie Mieten, Finanzieren und Leasen auf den Markt gebracht.

Getriebene Branche

Nun steht die Mobilitätsbranche erneut vor einer Herausforderung. Getrieben von Umwelt-, Sichheitsauflagen und dem höheren und sich ändernden  Mobilitätsbedarf samt Infrastrukturaufgabenstellungen wird sich der Markt neu aufstellen. Heißt: Er wird wieder neue Geschäftsmodelle (Sharing), aber auch Technologien (Elektrizität, Hybrid, Gas) hervorbringen. Und auch hier wird die Diskussion über fehlende Infrastruktur und Wirtschaftlichkeit den Wandel nicht aufhalten. Schon heute gibt es Sharing-Konzepte, die den Kilometer Mobilität für 19 Cent pro Kilometer anbieten.

Nun hat dieses Phänomen auch die Prozessautomatisierung erreicht, in der ich seit über 17 Jahren tätig bin. Diese ist seit jeher als konservativ bekannt. Und auch eher als träge, was den Umstand angeht, neue Technologien zu adaptieren. Als Beispiel taugt an dieser Stelle die schwerfällige  Integration und Projektabwicklung von Feldbus Anfang der 2000er Jahre. Das war wohl eher nur ein Versuch, die Digitalisierung in der Prozessindustrie umzusetzen.
Auch die Prozessindustrie wird immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Beeinflusst von Rohstoffpreisen, immer kürzeren Produktlebenszyklen und Qualität und getrieben vom Konsumenten-Markt, der Urbanisierung (2030 werden ca. 60% der Menschen in Metropolen leben) sowie der Globaliserung und dem Zusammenwachsen der Märkte. Da bieten sich neue Lösungen an, kombiniert aus bewährter OT (Operational Technology) und IT (Informations Technology). Und zwar um Produktionsbetriebe zu optimieren, resilienter gegenüber diesen Herausforderungen zu machen und neue Geschäftsmodelle zu etablieren. Eben vergleichbar mit dem bereits angesprochenen Mobilitätsmarkt.

Neue Anwendungsfälle

Damit wird die Prozessautomatisierungscommunity nicht nur mit Technologien aus der IT-Welt konfrontiert, die ganz andere Ansprüche an die Applikation haben als die Prozessautomatisierung. Sondern auch mit ganz neuen Anwendungsfällen. Das heißt, es besteht nun die Möglichkeit, nicht wie vor rund 15 Jahren alle Assets digital innerhalb der Automatisierungspyramide zu vernetzen, sondern diese auch außerhalb der Pyramide als digitaler Zwilling abzubilden. So können alle Assets über ihren eigenen Lebenszyklus hinweg ganzheitlich  verwaltet und vernetzt werden. Dies ermöglicht technologisch eine Vernetzung und Transparenz über die ganze Wertschöpfungskette und -Netzwerke hinweg.

Zurück in die Zukunft

Die Einführung der dezentralen Prozessleitsysteme Mitte der 1970er Jahre hat maßgeblich die Automatisierungskonzepte und Projektabwicklung verändert. Zugleich erhöhte sie allerdings auch die Produktivität, die Transparenz, aber auch die Sicherheit.

Ich behaupte, dass die digitale Transformation, die über NAMUR open Architecture, modulare Automation und mobile Maintenance-Konzepte in die Prozessautomatisierung einziehen wird, einen größere Veränderung auf Automatisierungskonzepte und Projektabwicklung haben wird als die vor rund 40 Jahren eingeführten Prozessleitsysteme. Wer und wie ermittelt den Bedarf, erstellt zukünftig das Lastenheft, wenn Technologie- und Geschäftszyklen kürzer sind als die traditionelle Projektlaufzeit.

Ähnliche Anforderungen wie ein Nervensystem

Auch wir bei Yokogawa beschäftigen uns längst intensiv mit dieser Veränderung. Unsere Strategie haben wir in Form der Synaptic Business Automation (SBA) festgehalten. So wollen wir zeitnah die digitale Transformation nutzungsorientiert mit unseren Kunden in der Prozessindustrie umsetzen.

Die ähnlichen Anforderungen, die ein Nervensystem durch seine Ad-hoc-Lernfähigkeit und das Erstellen neuer Verknüpfungen erfüllt, werden heute und auch zukünftig an die Automatisierung gestellt. Eben um diesen immer schnelleren Veränderungen in der Prozessautomatisierung Folge zu leisten.

Ein Kernelement der Synaptic Business Automation ist der Value Creation Cycle, mit dessen Hilfe wir gemeinsam mit dem Anlagenbetreiber diese neue Projektform umsetzen.

Hierfür haben wir vier Teilschritte implementiert:

  • Identify – erfassen und beraten
  • Create & Implement – planen und realisieren
  • Operate – betreiben und optimieren
  • Sustain & Improve – erhalten und ergänzen

Gerade zu Projektbeginn können wir so mit sachverständigem Blick “von außen” den Betreibern dabei helfen, ihre Ausgangssituation realistisch einzuschätzen und gemeinsam mit ihnen erfolgversprechende Schritte planen. Und zwar für Optimierung, Migration, Modernisierung oder Transformation. So können aus Betreiberwissen und Automatisierungsexpertise „synaptisch“ unmittelbar Werte entstehen.

Expertise stark erweitert

Neben dieser Methode als Kernelement bietet SBA jedoch noch weit mehr. So haben wir unsere Expertise außerhalb der klassischen Automatisierungstechnik durch M&A mit KBC (Consulting & Simulations), Industrial Knowledge (Cloud Services) und Soteica (Energy Management) stark erweitert. Ein flexibles Execution Framework, welches sowohl Wasserfall- als auch Agile SCRUM-Projektabwicklungen unterstützt, ist der Garant dafür, dass wir dieses auch in der Praxis bedarfsgerecht umsetzen. Letztendlich liefern wir dem Kunden mit jedem Teilschritt (Sprint) einen für sich nutzbaren Wert.

Eine stetige Weiterentwicklung in den Bereichen Portfolio, Produkte, Lösungen, Services und Technologien und deren Einsatz in SBA liefern die Aktualität für den Kunden.

Auch ein erfolgreiches Traditionsunternehmen wie Yokogawa muss sich den Herausforderungen stellen, um die Veränderungen bewältigen zu können. Um im zu Beginn gezeichneten Bild zu bleiben: Mit SBA stellen wir sicher, in der Prozessindustrie nicht ein Kutschenbauer zu sein, sondern stattdessen vielmehr Lösungen zu liefern, die (wie oben im Beispiel erwähnt) auf die Änderungen hinsichtlich des Bedarfs, der Infrastruktur, der Technologie und der Geschäftsmodelle in der Prozessindustrie ausgerichtet sind.

Wie stellen Sie sich den sich stetig verändernden Anforderungen in der Prozessindustrie?
Und welche Veränderungen sind für sie überhaupt spürbar?
Ob gleich hier auf dem Blog oder auf unserem Yokogawa-Stand bei der ACHEMA 2018 – ich lade Sie hiermit ganz herzlich zum Austausch ein und auch dazu, diese und andere spannende Fragen mit mir zu diskutieren.

Teaser 1 zur ACHEMA 2018 – Dr.-Ing. Andreas Helget

Synaptic Business Automation als Leitthema bei der ACHEMA 2018

Ob SBA, ASI, PAT oder Klavier – Basis ist die Natur des Lernens

 

 

 

 

 

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