Hat NOA (k)ein Henne-Ei-Problem?

Hat NOA (k)ein Henne-Ei-Problem?

20. Februar 2020

Derzeit entsteht NOA – NAMUR Open Architecture. NOA war eines des Hauptthemen auf der NAMUR-Hauptsitzung 2019. Zu NOA gehört für die Informationen der sichere Weg hinaus aus der Automatisierungspyramide und der sichere Weg wieder hinein. Und dazu auch noch die einheitliche Beschreibung der Komponenten und der Kommunikation, um ein möglichst offenes System zu schaffen. Letzteres ist in der NAMUR AG 2.8.2 für die Feldmesstechnik bereits erfolgt und abgeschlossen. Für die Prozessanalytik hat diese Arbeit in einer Zusammenarbeit der NAMUR AG 2.8.2 mit dem ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie) FA7 begonnen.

Doch was beschäftigt eigentlich die Anwender hinsichtlich dieser Thematik genau. Und wie nehmen diese die Entwicklung wahr? Vor dem Hintergrund dieser Fragen könnte sich durchaus ein Gespräch wie das folgende zutragen.

Werner Worringen: „Hallo Herr PAT-Anwender.“

PAT-Anwender: „Hallo Herr Worringen. Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuchs?“

Worringen: „Ich wollte mich mit Ihnen über NOA unterhalten. So zum Beispiel was wir beide uns davon versprechen und wie wir uns Lösungen vorstellen, insbesondere für die PAT.“

Anwender: „Ach, wie sehen denn Ihre Lösungen aus?“

Worringen: „Im Moment spreche ich von Lösungsideen.

Anwender: „Nur Ideen? Sie sind doch der Hersteller. Sie müssen doch wissen, welche Signale Ihre Geräte liefern, was sie bedeuten und welche Aussagen man damit machen kann.“

Worringen: „Das wissen wir auch. Aber bei NOA geht es nicht nur um Standard-Signale eines einzelnen Gerätes. Um daraus Erkenntnisse von Wert und Potenzial zu gewinnen, brauchen wir auch Daten aus dem Prozess, oder gegebenenfalls von anderen Messinstrumenten. Das müssen noch nicht einmal unsere eigenen Instrumente sein. Und das gilt erst recht für Prognosen, die ja die eigentliche Wertschöpfung liefern sollen.“

Anwender: „Wie lauten denn Ihre Lösungsideen?“

Worringen: „Nun, mit unseren Sushi-Sensoren, also Sensoren, die Schwingungen bzw. Vibrationen an Pumpen messen, können wir feststellen, ob in bestimmten Betriebszuständen Kavitation auftritt. Kavitation bedeutet höherer Verschleiß, mehr Wartung und vielleicht auch vorzeitiger Ausfall. Der Wert solcher Informationen liegt auf der Hand. Ein anderes Beispiel ist unser NOA-Demonstrator für einen pH-Sensor. Ein pH-Sensor, der applikationsbedingt in einer automatischen Reinigungsapparatur steckt, liefert mit jeder Reinigung wertvolle Zustandsdaten. Und das in einer Dichte, die eine sinnvolle Datenanalyse erlaubt. Diese ist Grundlage einer zustandsbasierten Wartung und einer Lernkurve, die eine Optimierung ermöglicht.“

Anwender: „Warum macht Ihr Hersteller das dann nicht einfach?“

Worringen: „Wie gesagt, bei diesen Lösungen werden unterschiedliche Signale verwendet und verknüpft. Eine solche Lösung können wir Ihnen heute schon bieten. Einfacher wird es ,wenn durch NOA einheitliche Kommunikationsstandards und Informationsmodelle vorhanden sind. Das heißt: eine Infrastruktur und sozusagen der technische Baukasten zur Verfügung steht.

Anwender: „Und was machen wir dann, wenn wir das alles haben, und uns aber die APPs fehlen, um diese Lösungen umzusetzen. Wer liefert uns diese Auswertungs- und Analysesoftware, also diese häufig erwähnten APPs? Die erwarte ich beispielsweise von Ihnen als Hersteller. Aber dazu brauchen Sie ja offenbar die Standardisierung. Das hört sich für mich wie ein Henne-Ei-Problem an.

Worringen: „Aus meiner Sicht ist das kein Henne-Ei-Problem, sondern eine Frage der Zusammenarbeit. Die Anwender haben schon klare qualitative Vorstellungen davon, was sie an Information und an Optimierung durch NOA erzielen können. Für den Weg dahin braucht es das spezifische Wissen und die Erfahrung der Anwender und die Kenntnisse der Hersteller, um daraus gute Lösungen mit maximaler Wertschöpfung zu erzeugen.“

Anwender: „Haben Sie eine Vorstellung, wie wir aus diesem Dilemma heraus kommen?“

Worringen: „Lassen Sie uns auf die Natur schauen. Auch die Henne und das Ei hatten kein Henne-Ei-Problem, weil es gar nicht mit einer Henne oder einem Ei angefangen hat. Die Evolution arbeitet von einem Ausgangszustand ausgehend mit wechselseitigen Abhängigkeiten und Veränderungen. Diese haben schließlich zur Henne-Ei-Lösung geführt. In der Natur gibt es keinen Henne-Silo und keinen Ei-Silo. Es gibt eine Notwendigkeit zur Veränderung und die Möglichkeiten dazu. Und daraus entsteht in Schritten eine Methode der Arterhaltung – oder eben der Prozessoptimierung. Es existieren Vorstellungen der Anwender und es existieren Lösungsideen der Anwender und der Hersteller, die es zu entwickeln gilt. Keine schlechte Voraussetzung für gemeinsame Evolution, oder?“

Anwender: „Da ist was dran. Aber ich frage mich immer noch, wie wir anfangen?“

Worringen: „Schauen Sie auf die Entwicklung des Internets. Das ist nicht erst fertig entwickelt und dann in den Markt eingeführt worden. Da gab es Menschen in Universitäten und Forschungsinstituten, die wollten weltweit ihre Informationen rasch und einfach austauschen. Und die haben dafür, und zunächst nur dafür, eine Lösung entwickelt. Und einen einfachen Standard, der genau das ermöglichte. Das geschieht gerade bei NOA und ist bereits weit gediehen.

Bei den Forschern kamen dann die Ideen und Begehrlichkeiten, was man noch mit dem Internet machen könnte. Und es entstanden viele Lösungen in der Zusammenarbeit der Leute (Anwender), die diese Begehrlichkeiten  definieren konnten und denen, die eine Software-Lösung einschließlich der Kommunikations­schnittstellen (die vielzitierte APP) zu erstellen wissen. Über den Erfolg und Nutzen des Internets brauchen wir nicht zu diskutieren. Die Standards und Werkzeuge bei NOA sind da und erste Demonstratoren auch. Jetzt muss man miteinander reden.“

Anwender: „Zeigen Sie mir doch bitte mal im Detail, was Sie da mit dem pH-Sensor gemacht haben. Das sah ja schon ganz konkret aus.“

Worringen: „Gerne. Wann haben Sie Zeit?“

Tja, und dann trafen sich die Beiden und haben das Internet erfunden.


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