„Nicht alles auf die Technik schieben“ – IMK-Manager Werner Worringen im Interview

„Nicht alles auf die Technik schieben“ – IMK-Manager Werner Worringen im Interview

22. Juli 2019

Von strategischem Marketing über Gremienarbeit bis hin zu künftigen Herausforderungen und spannenden Events – Werner Worringen, IMK-Manager bei Yokogawa Deutschland, stand Tim Henrichs, Marketing Manager bei Yokogawa Deutschland, in einem Interview Rede und Antwort.

Hallo Werner, Du bist IMK-Manager bei Yokgawa Deutschland. Welche Aufgaben beinhaltet diese Position?

Werner Worringen: Hallo Tim, zunächst einmal: IMK steht für Industriemarketing. Das ist eine strategische Aufgabe. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf PAT, also der Prozessanalysentechnik.

Was ist unter strategischem Marketing zu verstehen und was reizt Dich daran?

Worringen: Strategisches Marketing heißt in meinem Fall, unserem Bereich Prozessanalytik mittel- und langfristig zu einer guten Position im Markt zu verhelfen. Das heißt: Zuhören – also Voice of Customer im weitesten Sinn, Überlegungen anstellen, wie wir mit Veränderungen im Markt umgehen oder sogar Veränderungen gestalten oder mitgestalten. Und derer gibt es derzeit viele. Genau da liegt für mich auch der Reiz, nach dem Du fragst: gestalten und mitgestalten und die Vielfalt, die darin liegt.
Die Prozessanalysentechnik war, ist und bleibt dynamisch und gewinnt weiter an Bedeutung. Als Beispiel sei hier der R&I-Code genannt.
Und was die Kommunikation betrifft, so überholen gerade die technischen Systeme die Menschen in den einzelnen Abteilungen der Firmen. Auch das ist eine reizvolle Herausforderung. Es geht nicht immer nur um Technik.

Du arbeitest auch verstärkt in Gremien mit – in welchen und warum?

Worringen: Lass mich bitte mit dem Warum anfangen: Weil in den Gremien eben gestaltet und ausgetauscht wird. Und weil die Gremien dazu in der Lage sind, die einzelnen Interessen unter einen Hut zu bringen. Alle Anlagen und Einrichtungen können bzw. sollen demnächst miteinander kommunizieren. Das erfordert auch viel Kommunikation und Absprache der beteiligten und umsetzenden Menschen. Inzwischen wächst ja sogar der Bedarf, dass mehrere Gremien zu einem gemeinsamen Standpunkt zusammenkommen müssen. So wie etwa NAMUR und ZVEI in den gemeinsamen Arbeitsgruppen 2.8 zum Thema NAMUR Open Architecture  oder NAMUR AK 3.7 gemeinsam mit dem ad-hoc-AK M+O-Sensoren. Ich freue mich auch jedes Mal unbändig, wenn ich bei NAMUR AK 3.6 – der AK für die Prozessanalytik – als Gast eingeladen werde.

„Der AK-PAT pflegt den Trialog von Forschung/Lehre, Anwendern und Herstellern“

Insbesondere engagiere ich mich beim AK-PAT, dem Arbeitskreis Prozessanalytik, und dort im erweiterten Vorstand. Während die vorgenannten Arbeitskreise sehr themen- und aufgabengebunden sind, z.B. für die Normen- bzw. Empfehlungsarbeit, kann der AK-PAT sich relativ frei jedem Thema innerhalb der PAT annehmen, das aktuell ist, – auch im Mix. So zum Beispiel neuen Analyseverfahren, neuen Anwendungen, der betrieblichen Praxis, etwa mit dem immer wieder aktuellen Thema Probenvorbereitung, Big Data und so fort. Der Arbeitskreis pflegt den Trialog von Forschung/Lehre, Anwendern und Herstellern.

So wie berühmte Musiker auf ihren Konzerten eine Vorgruppe haben, so hat der AK-PAT die Jungakademiker. Mancher Doktorand hat hier seine Arbeit vorgestellt, Aufnahme in die PAT-Gemeinde bekommen und seinen ersten Arbeitsplatz bei einem der drei Trialog-Partnern gefunden.

Unter anderem aufgrund Deiner intensiven Gremienarbeit hast Du Auge und Ohr ganz dicht am „Puls der Branche“ – was bewegt diese derzeit am meisten?

Worringen: Wie in so vielen anderen industriellen Bereichen ist das die Digitalisierung. Die Aktivitäten für NAMUR Open Architecture sind in vollem Gange. Für den PAT-Bereich haben wir hier bei Yokogawa viele Ideen für das Monitoring und die Optimierung von Sensoren und Analysensystemen, die ja in der Regel komplexer sind als Feldmessgeräte. Aus meiner Sicht ist das ein ungehobener Schatz für effizientere Wartung, vorausschauendes Handeln und die Betriebsoptimierung.  Vorher müssen allerdings die Datendiode und der Verification of Request abschließend entwickelt sein. Also eben die Komponenten, die dafür sorgen, dass Daten sicher aus dem Leitsystem geholt werden und sicher wieder zurück geführt werden können. Diese Initiativen sind unterwegs. Die Kunden legen Wert darauf, dass Standardisierung die Vorgänge einfacher macht und Kosten senkt.
Dabei sollten wir allerdings den PAT-Sensor nicht aus den Augen verlieren. Qualität fängt an der Datenquelle an.

Warum sollte man sich an Yokogawa wenden, wenn man Herausforderungen wie den zuvor genannten bestmöglich begegnen möchte? Gibt es Besonderheiten?

Worringen: Manche PAT-Geräte können standardmäßig eingesetzt werden. Es gibt aber auch viele sehr anwendungsspezifische PAT-Lösungen, die spezielle Zusammenstellungen und Konfigurationen erfordern, für die Geräte, für die Probenvorbereitung, für die Unterbringung, für die kommunikative Anbindung an das Leitsystem. Yokogawa ist im Kern eine Engineering- und Abwicklungsfirma. Prozessanalysatoren machen wir auch noch. Lösungen passgenau zu erstellen – vom Sensor bis zur DCS, einschließlich der Kommunikation – das ist unsere Kernkompetenz. Wir fühlen uns deshalb für die Einführung von NAMUR Open Architecture,  M+O-Sensoren und M+O-Software gut aufgestellt. Gerade auch für die Prozessanalysentechnik.

Blick in die Zukunft: Was muss geschehen, damit die Branche optimal für die Zukunft gerüstet ist und was trägt Yokogawa dazu bei?

Worringen: Du meine Güte, damit könnte man ein Whitepaper füllen. Ich möchte nur zwei Punkte herausheben. Standardisierung bis zu einem vernünftigen Grad, um neue Systeme akzeptabel preiswert und universell zu machen. Offenheit soweit möglich, damit die Firmen weiterhin motiviert sind, Innovationen zu gestalten. Also eigentlich so wie es in den Information Models für die Sensoren vorgesehen ist. Dort gibt es standardisierte Sensordaten, die für alle Hersteller gelten. Die gleiche Information am gleichen Platz. Darüber hinaus gibt es einen Bereich, in dem frei definierbare, möglicherweise herstellerspezifische Informationen stehen. Wer seine Anwendung mit den Standard-Daten bedienen kann, wird durch die Zusatzinformationen nicht belastet. Wer aber aus den zusätzlichen Informationen Wertschöpfung betreiben kann, wird diese zu schätzen wissen und Vorteile ziehen. Es besteht eine Wahl.

„Qualität fängt an der Datenquelle an“

Die Menschen in den Abteilungen müssen lernen, sich genauso zu vernetzen, wie es die technischen Systeme bereits sind oder gerade werden. Auch dafür brauchen wir Kommunikationsstandards: Respekt, Wertschätzung, Fairness, Offenheit.

Bei welchen Events stehen derlei Themen im Fokus?

Worringen: Das sind natürlich die großen und die kleinen Messen. Eine starke Signalwirkung hat auch immer die NAMUR-Hauptversammlung. Reine Foren für die PAT-Gemeinde gibt es nicht allzu viele. Das jährliche Kolloquium des AK-PAT ist eine solche Veranstaltung. Ich kenne kein anderes Forum für die Prozessanalytik mit dieser vollen Bandbreite rund um die Prozessanalytik. Zudem gibt es nur dort diesen ausgeglichenen Mix aus Anwendern, Hochschulen und Herstellern. Ich arbeite bei beiden Veranstaltungen  sehr gerne mit. Mit einem ähnlichen Ansatz findet auf europäischer Ebene im nächsten Mai übrigens die EuroPACT in Kopenhagen statt.

Lieber Werner, herzlichen Dank für das informative und spannende Gespräch.


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