Prozessanalysentechnik ist doch teuer, oder?

Prozessanalysentechnik ist doch teuer, oder?

von 12. März 2018

NAMUR-Hauptversammlung im November 2017: Ein Vortrag ist mir besonders ins Auge gefallen. Der Prozessanalysentechnik-Vortrag mit dem Titel „Prozessanalytik zur Wertschöpfung in der Verfahrens­technischen Industrie“ von den Autoren Gerlach, Grümbel, Schünemann, Stieler.

Warum statt wie

Endlich wird einmal nicht die Frage aufgebracht, wie man PAT macht (das ist Thema der entsprechenden Arbeitskreise), sondern die Frage nach dem Beitrag den PAT liefert. In den unterschiedlichsten Meetings und Foren wird sehr häufig das Wie und das Was dargestellt. Mir fehlt häufig die Frage, durchaus auch in ganz anderen Zusammenhängen, Wofür und Weshalb machen wir das eigentlich?

Wertschöpfung der PAT

Welchen Wert hat die PAT, d.h. wie groß ist denn die Wertschöpfung  der PAT für die verfahrenstechnische Industrie? Welchen Beitrag leistet sie?

Nun, die zwei Alternativen, die sich hier gegenüberstehen sind auf der einen Seite die Laboranalytik, mit der die Qualität des Produktes zweifelsfrei überprüft wird. Hier wird sichergestellt, dass das Produkt die vom Kunden spezifizierten Eigenschaften (Spezifikationen) hat, was u.a. wichtig für Gewährleistungsfragen sein kann. Ich weiß, ob mein Prozess funktioniert hat, d.h., zum Schluss sehen wir nach, ob alles wie geplant gelaufen ist. Auch die Verifizierung der PAT-Messungen geschieht hier.

Auf der anderen Seite steht die PAT – Prozessanalysentechnik – welche kontinuierlich und möglichst nah an Echtzeit richtige Messwerte liefert.  D.h. wir beobachten den Prozess und korrigieren Abweichungen bereits wenn sie auftreten. In anderen Worten, wir schauen nicht nur nach, ob das Richtige dabei herausgekommen ist, sondern wir sorgen dafür, dass tatsächlich das Richtige dabei herauskommt. Wir „sehen“, was passiert.

PAT – die Augen im Prozess

Welche Wertschöpfung haben Augen? Stellen Sie sich vor, sie sollen ein Zimmer streichen. Die Lampen sind abmontiert, sie müssen also im Dunkeln streichen. Wenn Sie fertig sind, kommt die Laboranalytik, pardon, der Malermeister mit der Lampe. Und dann sehen Sie alle die Stellen, die beim Streichen im Dunkeln nichts abbekommen haben.

Konsequenz: Korrigieren bzw. neu streichen; und die Mahagonitür, die Sie im Dunkeln mit überstrichen haben, muss neu beschafft werden. Na gut, der Inhaber des Zimmers hat es nicht gesehen, aber teuer war es trotzdem. Und was hätte da noch passieren können? Die Wertschöpfung der Augen ist offensichtlich. Dazu gleich mehr.

Besonders gefällt mir ein etwas provokanter Folientitel in der Präsentation: PAT ist doch teuer, oder? Ja, sicher, PAT ist teuer. PAT-Lösungen gibt es selten von der Stange. PAT-Lösungen sind in der Regel angepasste Lösungen, die von Prozess zu Prozess, aber auch von Anwender zu Anwender anders aussehen: Wahl des geeigneten Analysators, Auslegung der Probenaufbereitung, Aufstellung, Sicherheit etc. Manche enthalten sogar ein Stück Betriebsgeheimnis des Anwenders. Der Maßanzug ist nun mal teurer als der von der Stange, sitzt aber auch perfekt. Wir wissen das, wir sind selbst Maßschneiderei für PAT-Lösungen.

Und die Instandhaltung?

Und die Instandhaltungskosten sind doch hoch, oder? Klar muss eine PAT-Lösung instandgehalten werden: Kalibrierung, Reinigung, Überprüfung, Probenahmesystem, Austausch von Verschleißteilen oder gar Reparatur (PAT-Systeme sind doch häufig defekt oder gestört, oder?). Und das von PAT-erfahrenen Mitarbeitern. Dafür bescheinigen die Autoren – allesamt Anwender und PAT-Experten – allerdings auch eine normale Verfügbarkeit der PAT von 98%. Und unter Anwendung der NAMUR-Empfehlungen NE 146 ist eine Anwendung in SIS möglich! Die Botschaft: Ja, es ist beherrschbar.

Bleibt für mich die finale Frage: Ist die Wertschöpfung durch die PAT groß genug, um die Anwendung bzw. die Investition zu rechtfertigen? Den Autoren zufolge gibt es Teureres als PAT, nämlich kein PAT, also der Blindflug. Einer Auflistung von Anwendungsbeispielen der PAT ist zu entnehmen, dass in diesen Anwendungen ein Payback von 3 bis 24 Monaten erzielt werden kann. Das ist kurz, vor allem verglichen mit den Anlagen selbst. Kann etwas teuer sein, wenn es solche kurzen Payback-Zeiten hat? Ich finde es großartig, dass solche konkreten Zahlen hier einmal kommuniziert werden.

Mich würde sehr interessieren, welche Erfahrungen Sie mit der Wirtschaftlichkeit von PAT gemacht haben. PAT-Betreiber bitte melden!

Siehe dazu auch den Artikel in der PROCESS 1/2 2018 „Sprung in die Digitalisierung“, letzter Abschnitt.

Außerdem noch den spannenden Beitrag zum Thema PAT:

 


Yokogawa at ACHEMA 2018

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