Sicherheit braucht Freunde … (Teil 1)

Sicherheit braucht Freunde … (Teil 1)

von 20. Februar 2019

… denn sie hat Feinde!

Sicherheit meint hier “Prozesssicherheit” (Safety), auch wenn es reichlich Parallelen zur “IT/OT Sicherheit” (Security) gibt.

Ein Beispiel aus unserem Alltag

Autos sind heutzutage nicht mehr nur reine Fortbewegungsmittel auf vier Rädern, sondern technisch ausgereifte Systeme mit einer zunehmenden Anzahl an Schutz- und Assistenzfunktionen. Die Verkehrswege sind gut ausgebaut und abgesichert. Als PKW-Führer unterzieht man sich einer zunehmend längeren und teureren Schulung. Mit Gas geben und bremsen ist es noch längst nicht getan – das Auto wird mehr und mehr zum fahrenden Hightech-Computer. Trotzdem landen heutzutage Autos auch vor ihrer Zeit auf dem Schrott.

Wie sieht es mit Menschen oder Tieren aus, die unabsichtlich von Autos trotz aller Sicherheitsvorkehrungen angefahren werden? Großflächige Plakate an Autobahnen warnen vor menschlicher Unachtsamkeit und deren tödlichen Folgen: Nach wie vor gibt es eine erhebliche Anzahl Verkehrstoter, auch wenn Autos immer sicherer werden und die Technik immer vorausschauender wird.

Warum kommt es zum frühzeitigen Ableben des Autos?

Das liegt an den “Feinden”. Zwei Hauptfeinde sind ” der Verschleiß” und “das menschliches Fehlverhalten” (ob nun unbewusst oder bewusst). Beides führt in diesem Zusammenhang zum verfrühten “Tod” des Autos und unter Umständen des Menschen.

Verschleiß – ein Feind

Verschleiß kennt man unter vielen Namen: Alterung, Abnutzung, Abrieb, Materialermüdung.

All diese Worte beschreiben das gleiche Problem: Eine Verschlechterung der Leistung eines vorhandenen Systems. Autos sind gemacht um zu fahren. Stehen sie nur untätig herum, haben Zeit und Witterungseinflüsse ein leichtes Spiel. Ein Auto soll nicht nur in der Garage stehen und den Besitzer mit seinem eleganten Design ergötzen, nein, es muss tatsächlich bewegt und gepflegt werden! Auch und gerade wenn es das geliebte Cabrio ist, welches mittlerweile schon einen Youngtimer-Status hat. Schmiermittel altern und versagen, Materialien werden angegriffen. Nichts hält ewig, das Auto zerfällt einem!

Im Betrieb kommen dann noch die entsprechenden Belastungen durch den Verkehr hinzu. Abrieb, Verbrauch von Betriebs- und Schmiermitteln, usw. Hier kommt nun einer unserer “Freunde” ins Spiel, die Wartung.

Durch den “Verschleiß” ist eine Verschlechterung des Systems Auto eingetreten. Es ist nicht mehr so Top in Schuss wie am Anfang, als es noch brandneu war. Um nun wieder möglichst dicht an diesen Anfangszustand heranzukommen und um schlimmere Auswirkungen durch “Verschleiß” zu verhindern, wird das Auto gewartet.

Betriebs- und Schmiermittel werden ersetzt, Dichtungen erneuert und vielleicht gibt es auch ein Software-Update. Neben der Wartung, die sich aus festgelegten Intervallen ergibt, z.B. der Kilometerleistung, kann diese auch durch die eigene Fahrzeugüberwachung ausgelöst werden. Wer kennt das nicht? Gerade will man gut gelaunt ins Wochenende, als plötzlich folgende Meldung im Bordcomputer angezeigt wird: “Kühlmittelstand zu niedrig” oder “Service fällig”. Bei Überwachungsmeldungen ist ein umgehendes Handeln oft angesagt, da als nächstes mit größeren Schäden zu rechnen ist. Ein dazugehöriges Thema ist immer die Kosten- Nutzen- Rechnung. Lohnt es sich noch diesen “Schrotthaufen” zu warten? Dieses Thema gilt es im Auge zu behalten. Aber so oder so …

Die “Zustandsüberwachung” und “Wartung” sind unsere “Freunde”!

 

Menschliches Fehlverhalten – ein Feind

Kommen wir nun zum Feind Nr.2: Menschliches Fehlverhalten, unsachgemäße Nutzung und Unwissenheit. Der Verschlechterung des Systems Auto wird dadurch Vorschub geleistet und durch z.B. Umgehung seiner Sicherheitssysteme, wie z.B. die Deaktivierung von ESP um ein “sportlicheres” Fahrgefühl zu genießen, kann es sogar zu einem tödlichen System werden. Dabei ist das Ergebnis unabhängig davon, ob dies bewusst oder unbewusst geschieht.

Sämtliche Schulungsmaßnahmen, Fahrsicherheitstrainings und das tägliche Nutzen des Autos scheint nicht zu verhindern, dass ein Auto durch menschliches Fehlverhalten eher verschleißt oder zu einem tödlichen System wird. Übrigens, die Bedienung des Autos wurde zwar vielfach vereinfacht, das Bedienhandbuch hat aber trotzdem inzwischen die Ausmaße eines umfangreichen Romans. Schließlich sind viele hilfreiche Features enthalten, die sich oft irgendwo in den Tiefen des Bordcomputers verstecken.

Wie dem auch sei, das Bedienhandbuch und die Straßenverkehrsordnung, die Führerscheinschulung und Prüfung sind und vermitteln die Methoden und Prozeduren, ein Auto ordnungsgemäß, wirtschaftlich und sicher zu führen.

Und dann kommt der Mensch. So wichtig und zwingend notwendig auch Methoden und Prozeduren sind, so reicht dies nicht. Methoden und Prozeduren müssen überwacht und wiederholt trainiert werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass menschliches Fehlverhalten minimiert wird. Ganz ausschließen lassen wird es sich wohl nie.

“Methoden” und “Prozeduren” und deren “Überwachung” sind unsere “Freunde”!

 

Sicherheit in der Prozessindustrie – Freunde & Feinde?

Wenn wir nun an die Prozessindustrie denken und da insbesondere an die Sicherheitssysteme, kann es da Sinn machen das obige Beispiel zu übertragen? Wie schaut es aus mit Freunden und Feinden bei meinen Sicherheitssystemen?

Seien Sie gespannt auf Teil 2! Hier werden wir neben den Freunden und Feinden bei Sicherheitssystemen, auch auf die Entwurfsphase eingehen.


Sicherheitssystem: Führen Sie eine regelmäßige Überwachung durch und ist diese effektiv?

Künstliche Intelligenz: Nur neuer Hype oder verstecktes Potenzial?

Mehr Sicherheit für alle – weniger für die Sicherheit!

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