Sicherheitssystem: Führen Sie eine regelmäßige Überwachung durch und ist diese effektiv?

Sicherheitssystem: Führen Sie eine regelmäßige Überwachung durch und ist diese effektiv?

von 2. August 2018

Die Überwachung von sicherheitsgerichteten Systemen (SIS) spielt für Unternehmen in der heutigen Prozessindustrie eine immer wichtigere Rolle. Die meisten Unternehmen sammeln aktiv Messdaten, um die Leistung ihres Sicherheitssystems zu erfassen und zu beurteilen. Aber sind diese Informationen auch genau, zuverlässig und umfassend genug? Immerhin sollen sie dabei helfen, eine lückenlose Leistungsüberwachung des Systems zu gewährleisten und das Sicherheitsystem so stets auf dem aktuellen Stand zu halten.

Häufigkeit wird neu bewertet

Mit der Veröffentlichung der IEC 61511:2016 wurde unter anderem die SIS-Leistungsbeurteilung stärker in den Fokus gerückt. Anlagenbetreiber müssen nun ein anerkanntes Verfahren zur Erfassung von Daten bezüglich der Leistungswerte und der SIS-Zuverlässigkeitsparameter anwenden. Darüber hinaus müssen Anlagenbetreiber verschiedene regelmäßige Intervalltests festlegen. Hierbei wird die Häufigkeit auf der Grundlage diverser Faktoren wie historische Testdaten, Nachfragehäufigkeit, Anlagenerfahrung und Hardwaredegradation neu bewertet.

Dies bedeutet, dass die Prozessindustrie ihre Methoden zur Erfassung, Messung und Analyse ihrer Sicherheitsdaten neu überdenken muss. Ohne diese Maßnahmen lässt sich nur schwer erkennen, wie sich die SIS über den gesamten Lebenszyklus der Anlage hinweg im Vergleich zu den Zielgrößen verhalten, die in der Spezifikation der Sicherheitsanforderungen (SRS) festgelegt sind. Regelmäßige Tests, Überprüfungen und Leistungsbewertungen sorgen für eine effektivere Methode, um potenzielle Probleme zu erkennen. Und so auch die notwendigen Korrekturmaßnahmen für einen sichereren Betrieb zu ergreifen.

Alle Fehler sollen aufgedeckt werden

Proof-Tests sind ein gutes Beispiel dafür, warum die Überwachung von Daten so wichtig ist. Beim Proof Testing handelt es sich um einen regelmäßig durchgeführten Test. Dieser soll alle „unentdeckten oder nicht aufgedeckten“ Fehler einer Sicherheitseinrichtung aufzeigen, um Schäden am Betriebsvermögen und Ansehen des Unternehmens zu vermeiden. Diese Tests müssen während der gesamten Betriebsphase im Anlagenlebenszyklus regelmäßig eingeplant und durchgeführt werden. So auch nach einer Wartung oder Inbetriebnahme und vor einer geplanten vorbeugenden Wartung. In der Praxis stellt die Planung, Durchführung und Aufrechterhaltung von Proof-Tests eine große Herausforderung dar. Verschiedene Gründe und eine ganze Reihe von Faktoren können dafür verantwortlich sein, dass die Tests nicht planmäßig durchgeführt werden. Hierzu zählen z.B. die Unternehmensgröße und die Fähigkeit, technische Ressourcen rechtzeitig einzusetzen. Aber auch zu wenige kompetente und erfahrene technische Mitarbeiter für die Verwaltung und Durchführung dieser Maßnahmen.

Die Erstellung und Auswertung von Sicherheitsstatusberichten ist eine zeitaufwändige und sehr arbeitsintensive Aufgabe. Bei dieser müpssen einzelne Mitarbeiter sicherheitstechnische Rohdaten in aussagekräftigere Informationen umwandeln. Software-Tools können hierbei kostbare Zeit sparen. Und zwar indem sie automatisch die Leistung von Datensicherheitsgeräten erfassen, die mit Referenzinformationen verglichen werden können.

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Effektivere Verwaltung und Pflege der Informationen

Weitere wichtige sicherheitsrelevante Informationen zur Anlagenleistung umfassen die Analyse von Auslösungen oder Triggern. Aber auch die Erfassung der Nachfragehäufigkeit, die Bestimmung von Geräteübergängen und Laufzeiten sowie die Verfügbarkeit der sicherheitsgerichteten Instrumentierung (SIF). Dies sind nur einige Beispiele für wichtige Leistungskennzahlen, die Aufschluss darüber geben, wie gut die funktionale Sicherheit implementiert wird. Und wo Problembereiche und nicht konforme Bereiche existieren. Die Verwaltung und Pflege dieser Informationen über die gesamte Lebensdauer des Systems hinweg ist effektiver. Zudem werden Fehler und Ungenauigkeiten aufgezeigt, um die Anlagensicherheit zu verbessern und die Einhaltung von Vorschriften sicherzustellen.

Immer mehr Unternehmen in der Prozessindustrie wünschen sich ein ausgewogenes Konzept zur Bewertung der Anlagensicherheit. Dieses soll den geltenden Sicherheitsvorschriften entsprechen und sich über den gesamten Lebenszyklus der Anlage hinweg einfach und kostengünstig implementieren lassen. Ein übertechnisiertes SIS mag zwar die Sicherheitsanforderungen (über)erfüllen, ist aber nicht unbedingt eine kostengünstige Lösung. Andererseits kann ein technisch unterentwickeltes SIS zwar kostengünstig sein, aber die Sicherheitsintegrität beeinträchtigen.

Gravierende Folgen sind möglich

Sicherheitsrelevante Vorfälle und Unfälle könnten deutlich reduziert und sogar verhindert werden, wenn einer Kultur der Prozesssicherheit höhere Priorität beigemessen würde. Unfälle wie die Raffinerieexplosion in Texas City im Jahr 2005 oder die Explosion in der Chemiefabrik von Geismar in Louisiana im Jahr 2013 zeigen, welche gravierenden Folgen Programmmängel und unzureichende Sicherheitsmanagementprozesse haben können. Mit Hilfe von regelmäßigen SIS-Leistungsüberprüfungen lassen sich potenzielle Probleme leichter erkennen, und es können Korrekturmaßnahmen ergriffen werden, bevor sie zu größeren Problemen werden.

Das IEC 61511-Komitee hat erkannt, dass viele Unternehmen nicht auf dem neuesten Stand sind, was die Anforderungen an den Betrieb und die Wartung (O&M) ihrer Anlagen betrifft, weshalb die Anforderungen weiter verschärft wurden. Wenn die Anlagenbetreiber nicht den erforderlichen Standard für ihre O&M-Anforderungen erfüllen, kann dies zukünftig folgenschwere Konsequenzen haben und möglicherweise Durchsetzungsaufforderungen von den Aufsichtsbehörden nach sich ziehen.

“Exaquantum Safety Function Monitoring”

Yokogawas Software ‚Exaquantum Safety Function Monitoring‘ ist eine Lösung zur Überwachung der Anlagensicherheit, die sicherheitsinstrumentierte Systeme, die die erwarteten Zielvorgaben übertroffen haben, aufzeigt und meldet. Das ausgelegte Sicherheitsverhalten wird mit der tatsächlichen Aktivität der Betriebssicherheitsfunktion verglichen, um Probleme aufzuzeigen, das Sicherheitskonzept zu validieren, die Prüfplanung zu optimieren und den Anlagenbetreibern dabei zu helfen, die Sicherheit und Verfügbarkeit ihrer Anlage zu verbessern.

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1 Kommentar

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  1. AH99
    #1 AH99 13 August, 2018, 08:15

    Danke für den guten Artikel.

    So richtig weiss ich aber immer noch nicht, was “regelmäßig” für eine Anlage nach IEC61511 bedeutet.

    Beste Grüße,
    Andreas Helget

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